Den neuen Bauwagen haben die Kinder selbst angemalt
Den neuen Bauwagen haben die Kinder selbst angemalt

 2008 entstand im Asylzentrum der Plan, für die Flüchtlingskinder in der Sindelfinger Straße ein besonderes Projekt zu entwickeln. Der Gedanke war, den Fokus auf diese Flüchtlingskinder und Jugendlichen zu richten, sie so wahrzunehmen wie sie wirklich sind – voller Wünsche und Träume. Um diese Wünsche und Träume wahr werden zu lassen, das war die Grundeinsicht, bedarf es der Information, breiter Unterstützung und vor allem eines niederschwelligen Einsatzes vor Ort, was im KIT-Projekt umgesetzt wurde.


Ziel des Projektes ist es, im Kontakt und im Einvernehmen mit den Eltern für die Kinder und ihre Eltern Barrieren abzubauen und ihnen zu helfen, sich zurecht zu finden. Geplant war von Anfang als Voraussetzung für eine gelingende Teilhabe spielerisch die deutsche Sprachkompetenz der Kinder individuell zu fördern und so als Schnittstelle zwischen Elternhaus und Bildungseinrichtung unterstützend zu agieren.

 

Im Projekt wird davon ausgegangen, dass das Zuhören(können) ein Schlüsselelement einer guten Beziehung ist. Die zuhörenden MitarbeiterInnen des Projektes sind für die Kinder reale Kommunikationspartner, die anders als Fernseher oder Playstation mitreden und mitdenken. Sie kommen dem Bedürfnis nach lebendigem Austausch über alltägliche belastende Situationen entgegen, das bei den Kindern, aber auch bei ihren Eltern besteht, und sie bieten ferner die ebenfalls als sehr wichtig empfundene Zuwendung an. Über das Zuhören entwickelt sich ein Verständnis für die Mitmenschen und ein besserer Umgang mit Konflikten. Dem Projektteam ist es dabei gelungen, den Kindern zu vermitteln, wie wichtig es ist, zuhören zu können. Damit haben sie ihnen Weg zu einer gelingenden Kommunikation eröffnet.

 

Aus der Sicht der Prävention haben Kommunikationsfreude und Kommunikations-fähigkeit eine wichtige Funktion. Wer nicht redet, keine Fragen stellt und kaum antwortet wird leicht zum Außenseiter. Miteinander zu reden bedeutet soziale Kontakte zu knüpfen und zu pflegen und darauf aufbauend soziale Kompetenzen zu erlangen. Hier wird an der Grundlage gearbeitet, den Kindern den Weg zur Teilhabe zu ebnen, Sozial benachteiligte Kinder brauchen zusätzliche Angebote und Chancen, um teilzuhaben.

Die Beziehung, die sich zwischen den Mitarbeitern und den Kindern entwickelt hat, ist die Basis für die Patenschaften
Die Beziehung, die sich zwischen den Mitarbeitern und den Kindern entwickelt hat, ist die Basis für die Patenschaften

Eine Unterstützung, die nur in den Bildungseinrichtungen stattfindet, reicht in der Regel nicht aus. Es braucht zusätzlich Unterstützung direkt vor Ort, die so niederschwellig angeboten wird, dass diese Hilfe jede/n erreicht, und jede/r die Möglichkeit hat, diese in Anspruch zu nehmen. Wesentlich ist zudem, dass die Bildungsangebote entsprechend den integrativen Herausforderungen weiter entwickelt werden, und die Menschen dort abholen, wo sie sich befinden!

 

Die Situation vor Ort hat uns, das Action Team des Asylzentrums, dazu bewogen, den Kindern in der Sindelfingerstrasse einmal in der Woche eine unterstützende Aktivität anzubieten. Wir, das sind ehrenamtlich Engagierte und eine hauptamtlich tätige Sozialpädagogin des Asylzentrums, die sich zu einer Projektgruppe zusammengefunden haben, um das Projekt „KIT“ aufzubauen und langfristig zu sichern. Da sich kontinuierlich so viele zur Mitarbeit bereit gefunden haben, wurde es uns möglich, allen Kindern, ob klein oder groß, gerecht zu werden und auf sie individuell einzugehen. Besondere Projektmittel hat es bisher nicht gegeben.

Wir wollen sowohl für die jüngeren als auch für die älteren Kinder ihnen jeweils entsprechende Angebote entwickeln, um aus dem Alltag heraus zu kommen und unbeschwert und fröhlich zu sein, um die Möglichkeit zu haben. durch Zugewinn an sozialer Kompetenz und an Handlungsmöglichkeiten die Bildungs- und Freizeitangebote im Gemeinwesen wahrnehmen zu können.

Die Hauptbestandteile der Nachmittagsgestaltung werden an den Bedürfnissen der Kinder entwickelt, nach dem situationsorientierten Ansatz. Die Kinder sollen Raum für sich selbst finden und gestalten, die Erfahrung machen, dass sie wahrgenommen werden und wichtig sind, dass sie sich in die entstehende Gruppe eingliedern können und so soziale Kompetenzen erlangen, um in der Gruppe gemeinsam zu agieren.

 

In den gemeinsamen Stunden werden Spiele gespielt, Ausflüge unternommen, durch die Natur gewandert, die städtische Kinderbibliothek erkundet, Eis gegessen, ins Schwimmbad gegangen, museumspädagogische Angebote genutzt ,… je nach den Interessen der Kinder .Diese Vielfalt soll mit den vorhandenen zahlreichen Ange-boten für Kinder und mit deutschen Lebensgewohnheiten bekannt machen.

Vor allem wird aber möglichst viel gesprochen, erzählen ist ganz wichtig! Dabei gehen wir davon aus, dass wir die Sprachkompetenz der Kinder im Deutschen über interaktive und kommunikative Prozesse, die die Wahrnehmungen, Erfahrungen, Tätigkeiten des Kindes aufgreifen und reflektieren, fördern können. Zuhören- und Erzählenkönnen sind dabei unverzichtbar.

Das KIT-Patenprojekt

Das Asylzentrum betreibt das „KIT-Paten-Projekt“, um freiwillig Engagierte gezielt mit Tübinger Flüchtlingsfamilien zusammenzubringen. Den Familien wird dadurch, nach Bedarf individuelle Unterstützung von je einem Paten zur Seite gestellt, welche/r das Angebot auf die tatsächlichen Bedürfnisse der Kinder und der Familie ausrichtet. Als Flüchtlingspaten sollen die Engagierten den Familien zur Seite stehen und ihnen helfen, die Anforderungen, die in Deutschland an sie gestellt werden, zu bewältigen. Im Vordergrund stehen dabei die Belange der Kinder. Die Paten können die Familien beispielsweise in Kooperation mit der Schule/ dem Kindergarten unterstützen, die Familie in Alltagsfragen beraten, die Kinder in Angebote des Gemeinwesens begleiten und integrieren, oder ihnen einfach Zeit und ein offenes Ohr schenken...

Von einer konsequenten Partnerschaft mit den Kindern, Familien und Kooperationspartner wird ausgegangen und vor allem die Selbstorganisation der Betroffenen wird betont. Intention des KIT-Paten-Projektes ist es, die altersgerechte Entwicklung der Kinder zu fördern, sowie die Handlungskompetenz der Gesamtfamilie zu stärken. Auf diese Weise sollen die Chancen der Kinder auf eine gleichberechtigte Teilhabe verbessert werden.

 

Die Gruppe der PatInnen besteht kontinuierlich seit 2011 mit 5 bis 10 Paten und einer hauptamtlich tätigen Sozialpädagogin des Asylzentrums, um das Projekt durchzuführen, auszubauen und langfristig zu sichern. Das Asylzentrum Tübingen legt Wert darauf, dass die Paten nicht unvorbereitet in die „oft sehr fremden und manchmal auch befremdlichen“ Familienverhältnisse geschickt werden. Das Zentrum vermittelt den Paten daher regelmäßig Gelegenheit zum Erfahrungsaustausch untereinander.

Die Mitarbeiterin ist zuständig für die Durchführung; Diese beinhaltet die praktische Beglei-tung der Familien und Paten, die Organisation der Fortbildungsangebote, sowie die Dokumentation und Evaluation. Um die Paten zu unterstützen, wird einer regelmäßige Supervision gewährleistet.

Durch den lebensweltorientierten Ansatz des Projektes, werden die Flüchtlingsfamilien tatsächlich erreicht. Die Flüchtlingskinder und Jugendlichen erhalten durch dieses Projekt die Chance, teilzunehmen und in die Aufnahmegesellschaft partizipativ hineinzuwachsen.

 

Finanziert wird das KIT-Patenprojekt derzeit über die Eigenmittel des Asylzentrums.


Impressionen vom Kinderfest 2014